Regenschlacht mit reichlich Toren
Das zweite Saisonspiel an der Ofener Straße entwickelte sich zu einer wahren Regenschlacht. Nur elf Spieler standen zur Verfügung, nachdem zwei kurzfristige Absagen die Planungen des Trainers durcheinandergebracht hatten. Doch die, die auf dem Platz standen, zeigten von Beginn an eine bemerkenswerte Einstellung. Trotz widrigster Bedingungen, rutschigem Boden und einem Gegner, der über volle Wechselmöglichkeiten verfügte, nahm Corso den Kampf an – und wie.
Bereits nach etwa sieben Minuten gelang Müslin der frühe Führungstreffer. Ein konzentrierter Angriff, schnörkellos ausgespielt, präziser Abschluss – das 1:0 war der Lohn für eine engagierte Anfangsphase. Der Jubel hielt allerdings nicht lange an: Köpenick glich fast im direkten Gegenzug aus, und von da an entwickelte sich ein offenes, wildes Spiel, das vor allem vom Wetter geprägt war. Der Regen machte jeden Pass zum Risiko, jeder Zweikampf wurde zur Rutschpartie. Beide Mannschaften versuchten, den Ball laufen zu lassen, doch immer wieder verhinderten Pfützen und nasser Rasen sauberes Kombinationsspiel.
Mit zunehmender Spieldauer übernahm Köpenick die Kontrolle. Die körperliche Präsenz und die Wechseloptionen zeigten Wirkung, während Corso mit seiner unveränderten Elf kämpfte, um dagegenzuhalten. Bis zur 60. Minute war der Rückstand auf 1:7 angewachsen – ein ernüchterndes Zwischenresultat, das den Spielverlauf jedoch nur bedingt widerspiegelte. Denn wer glaubte, das Spiel sei entschieden, hatte sich geirrt.
Was in den letzten zwanzig Minuten geschah, war eine dieser seltenen Phasen, in denen eine Mannschaft aus purer Leidenschaft heraus spielt. Müslin traf erneut – zweimal, mit derselben Entschlossenheit wie zu Beginn – und Hattem setzte mit einem weiteren Treffer ein Zeichen. Plötzlich stand es 4:7, und der Gegner begann zu wanken. Köpenick reagierte nervös, ließ sich auf Diskussionen ein, agierte unbeherrscht und unsportlich. Der Druck, den Corso mit ungebrochener Energie aufbaute, war spürbar. Das 5:7 oder gar 6:7 lag förmlich in der Luft, zwei klare Chancen blieben ungenutzt, aber allein die Tatsache, dass sie da waren, spricht Bände.
Am Ende stand eine Niederlage auf dem Papier, doch in der Bewertung des Trainers überwog etwas ganz anderes: Stolz. Stolz auf eine Mannschaft, die sich trotz aller Umstände nie aufgegeben hat, die im Regen gerannt, gekämpft, gerutscht und gefightet hat, bis der Schlusspfiff kam. Diese Einstellung, diese Moral, ist es, die eine Mannschaft formt. Das Ergebnis mag verloren sein, das Gefühl nach dem Abpfiff aber war eines des Aufbruchs.
Die Hoffnung auf die kommenden Spiele ist groß – und begründet. Wer nach einem 1:7-Rückstand noch so auftritt, hat gezeigt, wozu er fähig ist.